Jawbone UP: Fitness-Armband im Test

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Einführung

In diesem Jahr sind besonders Fitness-Gadgets im Kommen und verschiedene Hersteller haben entsprechende Produkte auf den Markt geworfen, oder kündigen diese an. Jawbone, der bislang nur für seine äußerst guten Bluetooth-Boxen bekannt war, hat sich als einer der Ersten in das Segment getraut und bereits 2011 ein Armband namens UP veröffentlicht, welches allerdings auf Grund von Verarbeitungsproblemen zurückgezogen wurde.

Ein Jahr später hat der Hersteller die verbesserte Version in den Handel gebracht und vor einigen Wochen auch in Deutschland ausgeliefert. Jawbone hat uns freundlicherweise ein Modell zur Verfügung gestellt, welches wir in den letzten Wochen ausgiebig getestet haben. In dem Testbericht wollen wir uns sowohl den Funktionsumfang des Armbands als auch der App anschauen und kurz reflektieren, für wen das UP überhaupt geeignet ist.

Technische Daten

  • Größen Small, Medium und Large
  • Gewicht 19g, 22g und 23 g
  • Akku Lithium-Ionen-Polymer-Akku mit Laufzeit von bis zu 10 Tagen
  • Sensor Präzisions-Bewegungssensor
  • Schnittstellen Klinkenanschluss, Schnittstelle über eine einzelne Taste, Vibrationsmotor für Benachrichtigungen, Doppel-LEDs
  • Material Medizinisch zertifiziertes, antiallergisches TPU Gummi
  • Kompatibel iOS 5.1 oder höher, Android* 4.0 (Ice Cream Sandwich) oder neuer
  • Farben Black, Mint Green, Light Grey, Blue
  • Preis 129€

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Optik, Verarbeitung und Tragekomfort

Das Jawbone UP besteht wie oben schon erwähnt aus antiallergischen Gummi und besitzt eine geriffelte Oberfläche auf der Außenseite. Im Inneren ist dagegen keine Struktur vorhanden, so dass ein angenehmes und vor allem unaufdringliches Tragen gewährleistet wird. Der mittlere Teil, in dem sich auch der Akku, die Sensoren und sonstige Elektronik befindet, ist im Vergleich zu den Enden sehr starr und passt sich nicht dem Handgelenk an. Die beiden Enden des Armbands sind aber sehr flexibel und erlauben das An- und Ausziehen. Die Optik ist insgesamt sehr schlicht gehalten, gefällt mir persönlich aber sehr gut und kann im Grunde auch als modisches Accessoire gesehen werden. In der Farbe Schwarz kann man das UP auch zu jedem “Outfit” tragen, ohne das es irgendwie aufdringlich wirkt. Außerdem ist das Produkt sogar wasserdicht ist und beim Händewaschen, Duschen usw. nicht abgenommen werden muss. Nur während des Schwimmens muss man drauf verzichten.

Bevor ich mich zum Tragekomfort äußere, muss ich noch erwähnen, dass ich zuvor weder Uhr noch Armband getragen habe, so dass die ersten Tage mit dem UP etwas gewöhnungsbedürftig verliefen. Nach dieser Phase habe ich mich aber an das kleine Fitness-Gadget an meinem Handgelenk gewöhnt und nach einigen Wochen fällt es nicht mal mehr besonders auf. Es hat sich also ohne Probleme in meinen Alltag integriert und wird von mir 24/7 getragen.

Es gibt jedoch auch zwei kleine Kritikpunkte, mit denen sich man erstmal anfreunden muss. Beim An- und Ausziehen von Hemden oder Jacken verhackt das Armband regelmäßig, so dass ich es vorher sehr oft ausziehe, um das Ganze zu vermeiden. Am MacBook kann das UP auch ziemlich störend sein, wenn man das Armband jedenfalls “richtig rum” trägt. Die Verschlusskappe, hinter der sich der Klinkenanschluss verbirgt, kratzt etwas auf der Aluminium-Oberfläche des MacBooks, das wiederum konnte ich mir nicht tagtäglich antun, so dass ich im Grunde von Anfang an das UP einfach anders herumtrage. Das Problem konnte ich also relativ leicht umgehen und der Tragekomfort wird dadurch auch nicht geschmälert.

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Funktionen: Laufen, Schlafen und Wecken

Nun kommen wir mal zum wichtigen Teil. Den Funktionen. Das kleine Fitness-Armband kann eine ganze Menge und misst jeden einzelnen Schritt des Trägers.

Der Dreiachsen-Bewegungssensor verfolgt den kompletten Tag das Bewegungsverhalten und kann somit die Anzahl der hinterlegten Schritte erfassen. Es unterscheidet sogar die verschiedenen Bewegungen und ist so in der Lage “unzulässige” Schritte herauszufiltern. Nach der initialen Kalibrierung, die ich im Gegentest mit Runtastic durchgeführt haben, hat das Armband präzise Angaben geliefert und eine hohe Genauigkeit vollbracht. Die Messungen können dann per Smartphone* und der passenden App, die ich im nächsten Kapitel genau vorstelle, ausgewertet werden. Neben der Anzahl der Schritte wird auch die hinterlegten Kilometer, die aktive Zeit, die längste Ruhephase, die längste Aktivität und die verbrannten Kalorien angegeben.

Neben dem aktiven Bereich des Tages kann das Armband auch den Schlaf erfassen. Hierfür muss das Armband kurz vor dem Schlafengehen in den “Schlafmodus” versetzt werden. Durch die LED-Anzeige wird der Wechsel noch einmal bestätigt. Danach misst das Jawbone UP nicht mehr die Schritte, sondern das komplette Schlafverhalten des Trägers. Das Armband kann den Tiefschlaf, leichten Schlaf, die Wach gelegene Zeit und die Zeit, die man für das Einschlafen benötigt hat, erfassen. Das hat bei meinen Tests großenteils sehr gut funktioniert, manchmal gab es die ein oder anderen Unstimmigkeiten, aber im großen Ganzen war ich sehr beeindruckt von der Genauigkeit des Armbands. Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie mein Schlafverhalten in manchen Nächten verlief und wie oft ich aufgewacht bin.

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Als kleines Extra kann man sogar einen Wecker einstellen, der einen zur bestimmten Zeit über den eingebauten Vibrationsmotor weckt. Der Alarm kann darüber hinaus auch noch das Schlafverhalten verwenden, um bei leichtem Schlaf den Träger bis zu 30 Minuten vor dem eigentlichen Alarm aufzuwecken. In meinem Test hat das ausgesprochen gut funktioniert und weckt mich seitdem täglich. Aber vor allem ist das Aufwecken viel angenehmer als durch einen herkömmlichen Wecker.

Des Weiteren kann das Armband einen gewissen Bewegungszeitraum per Stoppuhr messen und entsprechend über die App auswerten. Eine Trainingseinheit kann auf diese Weise beispielsweise festgehalten werden. Zusätzlich gibt es eine “Nickerchen”-Funktion, die den Nutzer nach einer vorgegebenen Zeit wieder aus dem Schlaf holt. Das ist vor allem bei einem Mittagsschlaf oder Power-Nap von Vorteil. Die Inaktivität des Benutzers wird ebenfalls überwacht und nach einer vorgegebenen Zeit ermahnt das Armband den Träger mit einer leichten Vibration. Das kann allerdings in einigen Situationen durchaus störend sein und hat bei mir nur sehr selten dazu geführt, dass ich mir die Beine vertreten hab.

Alles in allem besitzt das kleine Jawbone UP einen immensen Funktionsumfang, der sogar noch durch die hervorragende App erweitert wird.

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App: Synchronisation, Auswertung und Food-Tracking

Die UP-App von Jawbone ist eindeutig das Sahnehäubchen des Fitness-Gadgets und steht sowohl für iPhone- als auch für Android*-Nutzer zur Verfügung. Die Anwendung ist optisch sehr gelungen und bietet eine benutzerfreundliche Bedienung, die seinesgleichen sucht. Einziges Manko: Auf Android* wurde die App leider noch nicht ins Deutsche übersetzt.

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Die Synchronisation mit dem iPhone oder Android-Smartphone* funktioniert ausgesprochen einfach. Der vorhandene Klinkenanschluss des Armbands wird in den Kopfhöreranschluss des jeweiligen Smartphones gesteckt und schon werden die letzten Aktivitäten in wenigen Sekunden übertragen. Jawbone empfiehlt, dass man das Armband zwei Mal am Tag synchronisiert, einmal nach dem Aufwachen und einmal am Abend. Mit diesem Rhythmus erhält meiner Meinung nach auch das beste Ergebnis und ist nicht ständig mit synchronisieren beschäftigt. Eine Verbindung per Bluetooth wäre natürlich eine bessere Lösung und würde nicht das Abnehmen des Armbands voraussetzen. Das könnte Jawbone gerne in der nächsten Generation einbauen.

Die Auswertung der Aktivitäten wird in der App nicht nur durch reine Zahlen dargestellt, sondern auch durch nette Diagramme ergänzt, die beispielsweise den Bewegungsverlauf am Tag oder den Schlafrhythmus verdeutlichen. Das Ganze lässt sich dann auch auf Facebook oder Twitter teilen. Bei der Einrichtung vergibt man seine Ziele in der App, die man versucht jeden Tag zu erreichen. Standardmäßig sind 10.000 Schritte und eine Schlafzeit von sieben Stunden als Ziel ausgewählt. Im oberen Bereich der App wird dann immer dargestellt, wie viel man schon von seinem Ziel erreicht hat.

In der Anwendung hat man natürlich auch Zugriff auf alle bisherigen Statistiken und kann einen Blick in die Vergangenheit werfen. Ein Verlauf der täglichen Schritte und Schlafgewohnheiten kann sowohl in einer Lebenslinie als auch im Trends-Punkt angezeigt werden. Das Ganze ist eine nette Ergänzung, die ich persönlich aber relativ wenig verwendet habe.

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Neben den Aktivitäten kann aber auch das Essen verfolgt beziehungsweise dokumentiert werden. Eine umfangreiche Lebensmitteldatenbank erlaubt das schnelle Hinzufügen von Gerichten und kann in wenigen Schritten die aufgenommenen Kalorien ungefähr errechnen. Fertiggerichte, Säfte oder Ähnliches können auch einfach über den Barcode eingescannt werden. Das Ganze lässt sich dann auch noch durch ein Foto ergänzen. In den ersten Tagen habe ich noch versucht mein Essen zu dokumentieren, jedoch wurde es mir ehrlich gesagt zu stressig, jedesmal die verschiedenen Zutaten eines Gerichtes einzugeben. Die Daten sind ohnehin nur aussagekräfitg, wenn man die Mahlzeiten per Tasse abmisst.

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Zu guter Letzt können sich in der App auch befreundete UP-Benutzer zu einem Team vereinen und die Aktivitäten der anderen einsehen. Auf der Startseite werden dann die verschiedenen Statistiken der Team-Mitglieder angezeigt und man kann diese per Smiley oder Text kommentieren. Das Ganze erhöht natürlich den Spaß an der Sache und motiviert auch einen, sich etwas mehr zu bewegen. Dabei ist noch anzumerken, dass man nicht alle Daten preisgeben muss. Es können einzelne Aktivitäten “gesperrt” werden oder ganze Bereiche nicht geteilt werden.

IMG_2076Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit hat mich persönlich positiv überrascht. Ich musste das Jawbone UP immer erst nach ungefähr 8-10 Tagen an die Steckdose packen. Es kommt hierbei aber auch auf euer Nutzungsverhalten drauf an. Viele Trainingseinheiten, die per Stoppuhr gemessen werden, verbrauchen mehr Strom und auch ein ausgiebiges Synchronisieren kann die Akkulaufzeit verringern. In den ersten Wochen musste ich im Schnitt jede 8 Tage das Armband aufladen. Mittlerweile komme ich aber auf fast 10 Tage.

Der Akkustand wird einem in der App bei einem Synchronisations-Vorgang angezeigt und man erhält auch eine Push-Benachrichtigung, wenn der Akku seinen Geist aufgibt. Falls die Laufzeit unter einen halben Tag fällt, wird man auch über die eingebaute LED an das Aufladen erinnert. Ansonsten ist noch zu erwähnen, dass der Ladevorgang relativ schnell vonstattengeht und keine zwei Stunden benötigt. Je nach Stromquelle hat das Aufladen zwischen 80 und 100 Minuten gedauert, was ich im Hinblick auf die lange Laufzeit für durchaus akzeptabel erfinde.

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Fazit

Nach mehr als sechs Wochen mit dem Jawbone UP bin ich immer noch sehr zufrieden mit dem Gadget und habe sogar schon ein Zweites für meine Freundin gekauft. Ich nutze zwar nicht mehr alle Funktionen, beispielsweise habe ich die Eingabe meiner Mahlzeiten aufgegeben, jedoch schaue ich mir noch regelmäßig mein Schlafverhalten und die täglichen Schritte an. Die Weckfunktion nutze ich noch jeden Tag und funktioniert einwandfrei. Der Tragekomfort ist wie gesagt ausgesprochen gut und nach so einer langen Zeit mit dem Armband fällt es mir schon fast gar nicht mehr auf. Ein kleiner Motivationsschub kommt auch noch dabei rum. Ich gehe seitdem gerne mal einen kleinen Umweg und versuche mich etwas bewusster zu bewegen, um weiterhin fit zu bleiben. Die soziale Komponente sorgt für den Rest. In seinem Team möchte man ja nicht unbedingt als „Faulenzer“ gelten.

Der große Haken an der Sache ist der relativ heftige Preis von 129 Euro (UVP) und die fehlende Bluetooth-Unterstützung. Interessenten sollten sich also schon vorher genau überlegen, ob sich die Anschaffung überhaupt lohnt beziehungsweise Sinn ergibt. Brauchen werden es wohl die wenigsten, wobei es doch eine nützliche Ergänzung im Alltag ist und interessante Daten über die Aktivitäten des Trägers liefert. Für mich jedenfalls hat es sich als hilfreiches Accessoire entwickelt, welches ich nicht mehr hergeben will.

Ergänzende Informationen gibt es auch der Webseite von Jawbone und falls Fragen aufkommen, könnt ihr mir einfach ein Kommentar hinterlassen.



  1. Laura

    Kann ich es nur auf dem Smartphone verwenden oder auch mit dem Tablet?Kann die App nicht laden, weil es angeblich nicht kompatibel ist, kann ich da was machen?Danke und beste Grüße

    • Moritz Kloft

      Welches Tablet hast du denn? Normalerweise ist die App nur für das Smartphone konzipiert, aber ich vermute, dass man die App auch unter Android-Tablets mit Android 4.0 oder höher verwenden kann. Das iPad kann die iPhone-App installieren.

      • Laura

        Tablet Samsung GT P 3110, 4.1.2, müsste doch eigentlich gehen oder, zeigt aber trotz Aktualisierung an, dass es nicht kompartibel ist. Wenn das Smartphone niedriger als 4.0 hat, kann man das irgendwie kompartibel machen?Danke.

    • Tom

      Habe es mit dem Nexus 7 probiert, wo es nicht funktionierte (da gab es aber auch keinen offiziellen Support & die App ließ sich nur auf Root-Umwegen installieren). Ich glaube die Synchronisation erfordert einen Klinkenstecker mit Headset-Support bzw. einer bestimmten Anzahl an Ringen/Polen, den viele Tablets nicht haben. Im Google Play Store kannst Du für Android-Geräte zumindest im Browser nachprüfen, ob der Support für Dein Tablet gegeben ist.

  2. Fabian S

    Klingt für mich sehr spannend das Armband, aber ich würde wohl bis zur 2. Version warten. Weil ganz ehrlich für den Preis sind die Features doch sehr mager. Hoffentlich bleibt Jawbone an dem Armband dran, Herzfrequenz wäre neben Bluetooth noch schön, dann wäre der Nutzen für sportlich ambitionierte Menschen groß.


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