Touch ID: Fehlschlag oder revolutionäre Innovation? [Kommentar]


iphone5s-touchid

Cupertino, 10. September 2013. Wieder einmal lud das Tech-Unternehmen Apple* die Fachwelt zu einem großen Showdown ein. Wie bereits im Vorfeld diskutiert, sollte die neuste iPhone-Generation vorgestellt werden. 

Nach zwei Tagen Rekapitulation führte ich mir nochmals die Keynote zu Gemüte und machte mir Gedanken über die Neuerungen & Innovationen, die mit dem iPhone 5S vorgestellt wurden. Früher fiel mir das – als eingefleischter Android*-User – wesentlich schwerer, wurde man von Steve Jobs regelrecht mit einem Hard- und Softwarefeuerwerk bombardiert.

In diesem Jahr war die Keynote überschaubar. Neben unzähligen „incredible, amazing oder gorgeous„, lag der Fokus beim iPhone 5S vor allem auf drei Dingen.
A7-Prozessor. Kamera. Sicherheit.

Da mittlerweile jedes Unternehmen seine neusten Flaggschiffe im Bereich der Prozessoren und Kameras auf Vordermann bringt, möchte ich mich hier dem Thema Sicherheit widmen.

[bq_left]Sicherheit, oder bei Apple*:Touch ID[/bq_left]

Ja, Sicherheit wird auch im Smartphone*- und Tablet-Bereich groß geschrieben und so gibt es seit mehreren Jahren (zumindest bei Android*) die Möglichkeit sein Gerät mit Passwörtern, Mustern und PIN* zu versehen. Auch die Möglichkeit eines „Face Unlock“ ist auf einigen Android*-Geräten vorhanden. Dass diese Methoden mehr oder weniger sicher sind, ist klar.

Doch Apple* Inc. kommt in diesem Jahr mit etwas ganz besonderem: Touch ID.

Touch ID beschreibt die Funktion das iPhone 5S mittels eines Fingerabdrucks zu entsperren und so Zugang zum Gerät zu bekommen. Das zweite Feature besteht in der Möglichkeit App-Käufe mittels des Fingers zu authorisieren. Das war´s!

Bei diesen Funktionen stellte ich mir die Frage: Können sich Apple-Nutzer keine vierstelligen Passwörter merken? Oder warum muss jeder Kauf nochmals authorisiert werden, wenn das Apple-Ökosystem doch so sicher ist?

Auch bei längerem Grübeln habe ich zumindest zur ersten Frage keine Antwort gefunden.

Da zum jetzigen Zeitpunkt eben nur diese Funktionen unterstützt werden, fragt man sich doch: Brauch ich das? Und wie ihr euch schon denken könnt fällt meine Antwort mit NEIN aus, denn momentan ist diese Funktion nur ein „nice-to-have„.

Doch neben den eigentlichen Features stehen weitere Fragen im Raum.

Verwendung von Touch ID

Apple gibt an, dass mit jeder Verwendung des Touch ID Sensors die Erkennung verbessert wird. Stimmt! Dies gilt aber auch nur dann, wenn der Finger nicht schmutzig, verletzt oder nass (geschwitzt) ist. Und da ich selbst über einen Fingerprint-Sensor für den Heimbereich mit einem Kostenpunkt von 600 Euro verfüge, kann ich aus Erfahrung sprechen. Dieser verfügt übrigens über eine „Lebenderkennung„. Bedeutet, dass im Falle des „Verlustes“ meines Fingers die Tür nicht geöffnet werden kann, nice oder?

Letztendlich müssen für die Verwendung des Sensors möglichst gute Vorasusetzungen vorliegen.

Datenschutz

Im Zeitalter von NSA- und Späh-Affären spielt Datenschutz eine immens wichtige Rolle. Apple betont mehrfach, dass die Biometrie-Daten des Fingers nur auf dem Gerät gespeichert werden.

Eine Weitergabe an Apple-Server oder die iCloud sei ausgeschlossen. Der Fingerabdruck soll ausschließlich auf dem A7-Prozessor gespeichert werden, wobei nicht einmal der Fingerabdruck selbst, sondern nur die identifizierten Eigenschaften des Fingers abgespeichert werden. Ich glaube an Apple, doch ist die NSA oder wer auch immer so unfähig dies zu umgehen?

Passwort als Zusatzsicherung

Wer mit der Verwendung von Touch ID glaubt, zukünftig auf Passwörter verzichten zu müssen, der irrt. Denn spätestens nach dem nächsten Neustart des Gerätes müsst ihr zusätzlich eine PW eingeben, um so nochmals die Eigentümerschaft zu beweisen. Weiterhin erfolgt eine Passwortabfrage nach 48 Stunden Inaktivität.

Fingerabdruck absolut sicher?

Der Fingerabdruck eines Menschen ist einzigartig. Dies ist zumnidest bisher der Fall, da noch keine zwei identischen Abdrücke von verschiedenen Menschen vorgefunden wurden. Ein Fingerabdruck zeichnet sich durch das Vohandensein von einzigartigen Minutien aus, die meist an Gabelungen der Papilarleisten vorzufinden sind.

Bereits seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit auch Fingerabdrücke zu reproduzieren, Dies funktioniert mal mehr, mal weniger gut. So kann auch mittels Touch ID keine 100%ige Sicherheit gewährleistet werden.

Fairerweise sollte erwähnt werden, dass Touch ID auch subkutane Attribute in der Unterschicht der Haut abtastet. Davon werden unter anderem Blutgefäße erfasst.

Und nun… Zusammenfassung

Touch ID ist von Apple zum jetzigen Zeitpunkt ein netter Ansatz, eine Spielerei, ein Alleinstellungsmerkmal. Mit den bisher ausführbaren Funktionen wird das iPhone 5S aber noch nicht zur Kaufempfehlung.

Doch Apple wird mit diesem Feature nicht lange allein bleiben. Auch beim HTC One Max wird auf einen ähnlichen Fingerprint-Sensor spekuliert.

Doch was möchte uns das sonst so hoch-innovative Unternehmen mit diesem Sensor eigentlich offerieren? Unser Freund von Fabi von Techstage glaub an weit mehr als einen einfachen Entsperr-Machanismus.

Vielmehr prognostiziert er, dass in Zukunft Apple diese biometrischen Daten für Zahlungen verwenden könnte, schließlich verfügt das Unternehmen aus Cupertino über mehrere hundert Millionen Kreditkartendaten.

Wie steht ihr zum Scanner? Fail oder doch Innovation?



  1. Tly

    Für Aussendienstler ist der Touch ID ein Segen!
    Denn als Business Handy wird das Iphone alle paar Minuten gesperrt.

    Versucht mal während der Autofahrt (ja, ich weiss) das Telefon zu entsperren…

  2. Andreas Weber

    Also mal ganz im Ernst. Ob jemand den Touch ID braucht oder nicht muss jeder für sich entscheiden.

    Killerfeature??? Gibt es da noch??? Meiner Meinung nach nicht, denn alle aktuellen Smartphones sind mittlerweile auf einem technisch so hochwertigem Stand, dass kaum noch was obendrauf geht.

    Also landen wir schlussendlich wieder bei der alles entscheidenden Frage Apple oder nicht??? Diese muss jeder für sich selbst entscheiden und auch wenn es viele Apple Gegner gibt werde ich dabei bleiben. Die Qualität stimmt und wenn’s zuviel Geld ist soll sich halt ein anderes kaufen und damit glücklich werden.

  3. Mo

    Du hast vergessen, dass es extrem nervig ist das vierstellige Passwort alle 2 Minuten einzutippen wenn man zB Whatsapp Nachrichten bekommt. Das ist beim Android mit dem Wischen nicht anders.
    Die Frage ist eine Andere: Wie schnell reagiert die Erkennung? Schneller als würde ich das Passwort tippen?

    Killerfeatures gibt es sowieso nicht mehr oder es kommt mal einer mit einem mobilen Backofen im Smartphone.

  4. Mo

    Ad: Man kann mehrere Fingerabdrücke speichern, weshalb verletzte Finger rausfallen, außer man verletzt sich alle Finger, wobei man da lieber garnichts in die Hände nehmen sollte.


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