Nokia Lumia 1020 im Test


Einführung

Das Nokia Lumia 1020 ist seit wenigen Wochen im deutschen Handel erhältlich und hat die Messlatte in Sachen Smartphone*-Kameras definitv eine Reihe höher gesetzt. Die Finnen haben den PureView-Sensor auf enorme 41 Megapixel hochgeschraubt, Zeiss-Linsen eingesetzt, einen optischen Bildstabilisator eingebaut und vor allem im Software-Bereich einen innovativen Ansatz verfolgt.

Ich konnte das neuste Flaggschiff von Nokia* eine geraume Zeit lang unter die Lupe nehmen und habe mich vor allem mit der Kamera beschäftigt. An diesem Punkt möchte ich mich bei Wingeneration.de bedanken, die mir das Gerät zur Verfügung gestellt haben.

In dem ausführlichen Test erfahrt ihr nicht nur, wie sich das Nokia* Lumia 1020 im Alltag schlägt, sondern auch was die Kamera wirklich auf den Kasten hat.

Lieferumfang

  • Nokia* Lumia 1020
  • Bedienungsanleitung, Garantiekarte
  • Netzteil (230V)
  • USB auf microUSB-Kabel
  • Kopfhörer

Technische Daten

Display*: 4,5 Zoll Super AMOLED mit einer Auflösung von 1280 x 768 Pixel, Gorilla Glass 3 und PureMotion HD+ ClearBlack
Prozessor: Snapdragon S4 mit 1.5 GHz Dual Core
Arbeitsspeicher: 2GB RAM
Datenspeicher: 32GB interner Speicher
Hauptkamera: 41 Megapixel PireView mit optischen Bildstabilisator, Tessar-Objektiv von ZEISS, Blende 2.2, Brennweite 26 mm und einem Xenonblitz
Frontkamera: 1,2 Megapixel HD mit Weitwinkel und einer Blende von 2.4
Akku: 2000 mAh (Kabelloses Aufladen nur mit zusätzlichem Cover)
Konnektivität: USB 2.0, Bluetooth 3.0, NFC, WLAN a/b/g/n, A-GPS, Glonass und 3.5 mm Klinkenanschluss
Datenübertragung: LTE (1,3,7,8 und 20),HSPa+, GSM und WCDMA
Ausmaße: 130.4 x 71.4 x 10.4 Millimeter
Gewicht: 158 Gramm
Betriebssystem: Windows Phone 8
Preis: ca. 610 Euro auf Amazon

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Design und Verarbeitung

Beim Design setzt Nokia im Lumia 1020 auf Altbewährtes und hat die Züge des Lumia 920 übernommen. Das Gehäuse wird in verschiedenen Farben angeboten: Schwarz, Gelb und Weiß. Die Bedienelemente und die Hauptkamera sind bei allen Farbvariationen in Schwarz gehalten und setzen somit beim weißen sowie gelben Modell ein paar nette Akzente.

Die Seiten des Gehäuses sind angenehm abgerundet, so dass das Smartphone* sehr gut in der Hand liegt, obwohl die Ausmaße im Verhältnis zur Displaydiagonale relativ groß ausfallen. Die Einhandbedienung ist mir persönlich sehr wichtig und wird im Flaggschiff der Finnen auch ohne Abstriche gewährleistet. Der obere und untere Bereich sind dagegen komplett plan. Das wiederum macht die Ecken etwas zu kantig und mindern die ansonsten grandiose Haptik des Gerätes.

[bq_left]Qualität, wie man es von Nokia gewöhnt ist[/bq_left]

Der Kamera-Buckel auf der Rückseite beeinflusst die Nutzung in der Hand überhaupt nicht, dominiert aber natürlich das Aussehen des Gerätes. Beim Ablegen auf den Tisch kann es schon etwas stören, da das Smartphone* dadurch nicht flach auf dem Untergrund liegt und sich auch bewegen kann. Das nehme ich aber auf Grund der guten Kamera sehr gerne in Kauf.

Die Verarbeitung des Windows Phone lässt ansonsten nichts zu Wünschen übrig. Das Gehäuse ist aus einem Stück Polycarbonat gefräßt, welches in meinem Fall eine matt gelbe Farbe besitzt. Aus diesem Grund knarzt rein gar nichts an dem Smartphone. Die Knöpfe haben einen sehr guten Druckpunkt und sind ebenfalls perfekt positoniert. Der physische Kamera-Button ist das i-Tüpfelchen und macht das Lumia 1020 in Kombination mit dem 41 Megapixel Pureview-Sensor zu einem gelungenen Kompaktkamera-Ersatz.

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Display

Das Super AMOLED Display* des Nokia Lumia 1020 besitzt eine Diagonale von 4,5 Zoll und kann sich trotz der vergleichbar (zu Android*-Smartphones) geringen Auflösung von 1280 x 768 Pixel definitv sehen lassen. Geschützt wird das Ganze durch Corning Gorilla Glass 3.

Der Schwarzwert und auch der Kontrast sind beide auf einem sehr hohen Niveau. Perfekter geht es eigentlich nicht. Die Farben wirken AMOLED-typisch sehr lebendig, aber zum Teil auch übersättigt. In den Einstellungen lässt sich die Dynamik und andere Merkmale des Displays aber auch runterschrauben, um das Bild etwas natürlicher zu gestalten. Die Helligkeit könnte aber doch etwas höher ausfallen, wobei das für AMOLED-Display* im Grunde normal ist. Im Außeneinsatz hatte ich aber keinerlei Probleme und konnte das DIsplay immer gut ablesen. Die Blickwinkel des Panels sind ebenfalls „sehr gut“.

Interessant in Sachen Display ist vor allem der Glance-Screen und die „Double-Tap-To-Wake“-Funktion. Letzteres kann das Smartphone mit zweifachen Antippen des Displays aufwecken. Der Glance-Screen erlaubt die stetige Anzeige der Uhrzeit ohne großartig viel Strom zu verbrauchen. Beides zwei sehr nützliche Funktion.

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Kamera

Nun ist wohl der wichtigste Teil des Smartphones an der Reihe. Die Kamera. Das gute Stück besitzt einen hintergrundbeleuchteten Bildsensor mit 41 Megapixel, der eine Größe von 1/1,5 Zoll aufweist. Die Blende beläuft sich auf 2.2 und die Brennweite auf 26 Millimeter. Es kommen 6 Linsen von Zeiss zum Einsatz, die durch einen optischen Bildstabilisator unterstützt werden. Ein Xenon-Blitz steht übrigens ebenfalls zur Verfügung und ermöglicht deutlich bessere Portrait-Aufnahmen bei Nacht im Vergleich zum herkömmlichen LED-Blitz. Die Reichweite des Blitzes soll bis zu 4 Meter betragen. Das Lumia 1020 nutzt übrigens die 41 Megapixel nicht vollkommen aus, sondern erstellt zum einen eine Fotoexemplar mit 5 Megapixel, welches zum Beispiel für das Teilen in sozialen Netzwerken genutzt werden kann, und zum anderen eine Ausgabe mit 34 oder 38 Megapixel (je nach Seitenverhältnis). Letzteres kann optional ausgeschaltet werden.

Aber was bringen diese Massen an Pixel überhaupt? Der Clou an der Geschichte läuft unter dem Stichwort Pixel Oversampling. Mit dieser Technologie wird das hochauflösende Foto (also 34 oder 38 Megapixel) zusammengerechnet, um ein 5 Megapixel-Bild zu „entwickeln“. Ungefähr 7 Pixel werden durch das Oversampling kombiniert, so dass deutlich weniger Rauschen und Artefakte im Endergebniss vorkommen. Das Oversampling, also das 5 Megapixel große Foto, sieht dann besser aus als die herkömmliche Aufnahme in der vollen Megapixelanzahl. Diese Technik erlaubt außerdem das quasi qualitätsverlustfreie Zoomen. Nokia nennt das Ganze „Zoom reinvented“.

[bq_right]“Zoom reinvented“ trifft es auf den Punkt![/bq_right]

Aber genug von den technischen Bestandteilen der Kamera. Was hat das Ding überhaupt auf den Kasten. Ich lehne mich vorab schon mal etwas aus dem Fenster und sage, dass das Nokia Lumia 1020 definitiv die meisten preisgünstigen (kleinen) Kompaktkameras in den Schatten stellt. Die Aufnahmen mit dem Windows Phone besitzen eine hohe Dynamik, enorm viele Details und eine sehr gute Schärfe. Die hohe Megapixel-Anzahl erlaubt das 3fache Zoomen ohne einen großen Qualitätsverlust und auch das nachträgliche „Reframing“, welches wir später noch einmal näher erklären werden, bringt ganz neue Möglichkeiten ins Spiel. Die Farbwiedergabe ist manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber kann im Großen und Ganzen auch überzeugen. Nachtaufnahmen sind mit dem Lumia 1020 natürlich auch kein Problem und machen endlich Laune. Die Ergebnisse sind in jedem Fall im Smartphone-Bereich konkurrenzlos.

Bei der Benutzung ist aber negativ anzukreiden, dass das Nokia Lumia 1020 auf Grund der hohen Megapixel-Anzahl und des Pixel Oversampling ziemlich lange für die Abspeicherung der Fotos benötigt. Das Deaktivieren des Speicheres des 38 Megapixel-Exemplar bringt da auch keine große Abhilfe, so dass man sich mit dieser Geschwindigkeit* zufriedenstellen muss. Falls man jedoch mehrere Aufnahmen hinteraneinander fertigen möchte, kann man auf die „Nokia Smart Cam“-App zurückgreifen, die eine komplette Fotoserie aufnimmt und im Nachhinein je nach Bedarf verarbeiten kann.

Bevor wir zu den Testbildern übergehen, möchte ich noch den Camera Grip erwähnt haben. Das optionale Zubehör für das Lumia 1020 bringt etwas mehr Haptik in die Geschichte und macht das Gerät zu einer Kompaktkamera. Das Smartphone kann in den Camera Grip ganz einfach eingeführt werden und ermöglicht nicht nur das Anbringen eines Stativs, sondern erweitert auch den Akku um 1020 mAh. Das Ganze kostet ungefähr 49 Euro und ist für ambitionierte Fotografen, die auch mal bei Nacht und mit Stativ arbeiten wollen, definitiv empfehlenswert. Aber auch für eine lange Städtetour würde ich den Camera Grip empfehlen. Im Alltag ist er hingegen etwas zu globig und macht das Tragen in der Hosentasche zur Qual.

Zum Abluss haben wir natürlich noch eine Reihe von Testbildern und Testvideos für euch, die auch einen Vergleich mit der Konkurrenz enthalten.

Testbilder & Testvideos

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Vergleichsbilder und Video zwischen Nokia Lumia 1020, Apple iPhone 5s und Samsung Galaxy S4:

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Nokia Pro Cam

Nokia hat nicht nur auf Hardware-Ebene dem Lumia 1020 das Beste auf dem Markt verpasst, sondern auch in Sachen Software. Die Nokia Pro Cam ermöglicht eine Vielzahl von Einstellungen, welche für den Hobbyfotografen einen großen Mehrwert mit sich bringen.

In der Kamera-App können Fotos sowohl mit der Automatik als auch mit dem manuellen Modus geschossen werden. Der manuelle Modus ist über das nach links schieben des Auslöser erreichbar und erlaubt das spielend einfache Anpassen der Belichtung, der Verschlusszeit, der ISO, des Fokus und des Weißabgeliches. Die Veränderungen der Einstellungen werden in Echzeit auf dem Display anzeigt und man bekommt einen perfekt Eindruck von dem Ergebnis. Einzelne Einstellungen können aber auch über den oberen Rand im Bild aufgerufen werden. Dort befinden sich auch der Knopf für den Blitz, der verschiedene Optionen anbietet: Aus, Nur Fokuslicht, kein Fokuslicht, Automatisch und Ein. Interessant ist auch noch, dass eine Belichtungsreihe von 5 Aufnahmen (-3 bis +3 Belichtung) geschossen werden kann. Mit dieser Funktion kann im Nachhinein ein vollwertiges HDR auf dem PC oder Mac erzeugt werden. In den Einstellungen kann außerdem noch die Bildgröße (5MP oder 5MP + volle Auflösung), das Bildverhältnis (16:9 oder 4:3), Rasteraktivierung, Gesichtserkennung und Ortung.

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Videos können natürlich auch gedreht werden. Die Einstellungen sind in diesem Bereich allerdings deutlich geringer und belaufen sich nur auf den Weißabgleich sowie den Fokus. Außerdem können Videos entweder in 1080 oder 720p mit 30, 24 oder 25 fps aufgenommen werden.

Insgesamt hat die Bedienung der Nokia Pro Cam mehr als überzeugt und bringt einen großen Mehrwert mit sich. Die Einstellungen sind leicht erreichbar, intuitiv zu bedienen und auch für „Laien“ gut verständlich. Die Automatik kann aber auch getrost verwendet werden und nimmt exzellente Fotos auf.

Reframing

Die gigantische Megapixel-Anzahl des Nokia Limia 1020 ermöglicht ein nachträgliches Zuschneiden der getätigten Fotos und das in bislang ungeahnter Form. Der Benutzer kann in eine Aufnahme fast unendlich hineinzoomen (natürlich mit Detailverlust), einen neuen Ausschnitt aussuchen und das quasi neue Ergebnisse abspeichern. Außerdem erlaubt das „Reframing“ auch das spätere Hinauszoomen aus Bildern, was im Kamera-Bereich definitv ein Novum darstellt.

Das bringt den ungemeinen Vorteil mit sich, dass man sich im Vorfeld keine großen Gedanken über die Gestaltung des Bildes machen muss, sondern einfach „drauf losschießen“ kann. Das spätere „Reframing“ kann einem Foto einen neuen Look verpassen und ist eine sinnvolle Ergänzungen, der schon sonst so hervorrangenden Kamera-Software.

Nokia Smart Cam

Die Nokia Smart Cam rundet die bislang eher an den Hobby-Fotografen angepeilte Kamera-Software perfekt ab. Die App erstellt eine Fotoserie, die über mehrere Sekunden eine Vielzahl von Aufnahmen tätigt. Im Anschluss kann man sich dann durch eine Reihe von Effekten durchklicken, die man auf die Fotoserie anwenden kann. Die Software wählt beispielsweise das beste Foto aus, kann bewegte Objekte entfernen, Gesichtsausdrücke bei Gruppenbilder ändern oder ein Aktionfoto aufnehmen.

Performance & Akkulaufzeit

Windows Phone 8 besitzt im Vergleich zu Android* einen großen Vorteil. Die vorhandenen Ressourcen werden optimal genutzt und es braucht keinen hochgetakteten Quad Core-Prozessor um eine gute Performance zu bewerkstelligen. Das Nokia Lumia 1020 läuft auch mit dem Snapdragon S4 Dual Core-Prozessor sehr flüssig. Animationen werden ohne Ruckler wiedergegeben und auch die Software-Features wie zum Beispiel das Reframing oder die Smart-Cam-Effekte werden in Windeseile durchgeführt. Spiele sind übrigens auch kein Problem und haben bei meinem Test keinerlei mätzchen gemachtEinzig und alleine die Wartezeit beim Öffnen von Apps könnte kürzer ausfallen.

Die Akkulaufzeit ist mit dem 2000 mAh starken Akku im oberen Durchschnitt und reicht locker aus, um über den Tag zu kommen. Fotos schießen, soziale Netzwerke befeuern, Telefonieren und mehrere Mail-Konten synchroniseren. All das schafft das Nokia Lumia 1020 ohne schnell Schlapp zu machen. Bei intensiven Tagen sollte man aber vorsichtshalber den Camera Grip mitnehmen, der das Smartphone noch einmal für ein paar Stunden über Wasser hält.

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Fazit

Nach einer mehrwöchigen Testphase kann ich eins sagen. Das Nokia Lumia 1020 ist nicht nur ein Klasse Smartphone, sondern besitzt auch eine überragende Kamera. Das Zusammenspiel zwischen Software und Hardware ist im Kamera-Bereich des finnischen Flaggschiffs unangefochten und bietet alles, was das Fotografen-Herz höher schlägen lässt. Die Haptik ist, wie man es bei Nokia gewöhnt ist, hervorragend und hinterlässt einen positiven Eindruck. Einzig und alleine das Betriebssystem ist für mich noch immer etwas gewöhnungsbedürftig, sollte aber niemanden vor dem Kauf abschrecken. Das App-Ökosystem entwickelt sich immer weiter und bietet mittlerweile für fast jeden Dienst eine App, auch wenn es manchmal nur von einem Drittanbieter ist. Alles in allem sollte sich nicht nur jeder Hobby-Fotograf das Gerät einmal genauer anschauen, sondern auch der Otto Normalverbraucher wird mit Sicherheit Spaß an dem Lumia 1020 haben und kann getrost zugreifen. Eine klare Kaufempfehlung.



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