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Monopolkommission warnt: Roaming-Aus könnte höhere Gebühren bedeuten


>Nach langem Ringen hatte sich das EU-Parlament auf die Abschaffung der Roaming-Gebühren für Handy-Gespräche, SMS und Internet-Verbindungen innerhalb der EU ausgesprochen. Allerdings auch nicht sofort, sondern erst ab 2017 sollen die Roaming-Kosten ganz weg fallen. Bis dahin sollen sie aber ab 30.April 2016 nochmal weiter abgesenkt werden.

Diese Abschaffung betrifft aber nur Verbindungen innerhalb der EU. In andere Staaten (wie beispielsweise die Türkei oder Russland) gelten weiterhin die vergleichsweise teuren Roaming-Gebührenmodelle der einzelnen Anbieter. In diesen Bereich sollte man – unabhängig von den Plänen der EU – auch weiterhin auf spezielle Anbieter und Tarife setzen, die von sich aus günstigere Tarife für das Ausland anbieten. Für Anrufe in die Türkei zum Beispiel ist hier in Deutschland der Tarifanbieter Ay Yaldiz für seine günstigen Preisstrukturen bekannt. Dies betrifft

  • SMS,
  • Anrufe,
  • MMS
  • mobiles Internet

Die deutschen Monopol-Kommission hat nun Bedenken zu diesen Plänen angemeldet. Die Kommission ist ein Beratergremium von Bundesregierung und Bundestag zu Wettbewerb und staatlichen Eingriffen in den Telekommunikationsmarkt und besteht aus fünf Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern. Ihre Aufgabe ist es die Bundesregierung und den Bundestag bei spezifischen Fachfragen im Bereich Regulierung und Wettbewerb unabhängig zu beraten. In dieser Funktion beurteilt die Monopolkommission den Wegfall der Roamingkosten aus Unternehmenssicht als teilweise problematisch. Die Kosten für das Roaming könnten so nicht mehr direkt gedeckt werden und es bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen solche Kosten dann umlegen. Das würde wahrscheinlich zu steigenden Preise bei den Inlandsdienstleistungen führen.

Im Bericht der Kommission heißt es konkret:

Bei einer Absenkung der Gebühren auf Null können die durch das Roaming entstandenen Kosten nicht mehr gedeckt werden, wodurch unerwünschte Auswirkungen auf die Inlandspreise auftreten könnten.“

Allerdings geht das Sondergutachten der Kommission nicht darauf ein, in welchem Umfang diese Auswirkungen erwartet werden. Die meisten deutschen Netzbetreiber machen ihre Umsätze weitestgehend im Inland und das Roaming-Geschäft ist nur ein kleiner Teil. Die Auswirkungen des Wegfalls dieser Gebühren dürfte daher – wenn überhaupt – nur geringe Auswirkungen auf die Kostenkalkulation der Unternehmen haben.

Bisher lässt sich aber nicht abschätzen, wie sich die Auslastung der Netze durch einen Wegfall der Roamingkosten verändern wird. Immerhin könnten dann noch mehr Nutzer auch im Ausland häufiger zum Telefon greifen oder SMS versenden als bisher. Das würde die Netze stärker belasten und eventuelle Mehrkosten verursachen.

Bisher gibt es dazu aber noch keine verlässlichen Planungsgrundlagen und auch die Monopolkommission hat sich zu diesem Punkt nicht im Detail geäußert. Genauere Daten wird es wohl erst in den nächsten Jahren dazu geben. Derzeit ist die Absenkung und Abschaffung der Roaming-Gebühren auf jeden Fall beschlossen. Ob daran noch etwas geändert wird, muss sich erst noch zeigen.



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