unnamed (1)

Showdown der Urlaubsgiganten: Prepaid versus Vertrag


Es ist vollbracht. Nach jahrelangem Tauziehen hat sich der EU-Ministerrat endlich darauf geeinigt, dass innerhalb der EU Roaminggebühren abgeschafft werden. Fortan gelten Obergrenzen von 3,2 Cent pro Minute fürs Telefonieren sowie 1 Cent pro Kurznachricht – schon ab 15. Juni dieses Jahres. Für mobile Daten ist indes ein sanfter Abbau geplant. Ab Sommer wird die Grenze bei 7,70 Euro pro GB liegen. Bis 2022 soll der Endpunkt von 2,50 Euro pro Gigabyte erreicht sein. Fraglos ein wichtiger Schritt für alle, die zwischen Fuerteventura und Rhodos ihren Urlaub verbringen möchten. Doch was, wenn auf den Flugkarten die USA, Thailand oder Argentinien als Reiseziel angegeben sind? Dann beginnt wieder der Kampf zwischen Prepaidkarte und Vertrag. Und im folgenden Artikel wird er bereits online ausgefochten.

Die Kontrahenten

Die Prepaidkarte: Günstig, voll kontrollierbar und ohne viele Umwege zu kaufen. Damit kann die Prepaidkarte punkten, dafür lieben sie ihre Fans.

Der Handyvertrag: Dauerhafte Connection, günstigere Preise und mit ziemlicher Sicherheit Roaming in jedem Land.

Beide Kontrahenten können auf den ersten Blick ziemliche Stärken in den Ring führen. Doch wie schwer wiegen diese noch, wenn sich der irgendwo im amerikanischen Hinterland oder im südostasiatischen Dschungel befindet?

Round 1: Roaming

Der wohl wichtigste Faktor des ganzen Kampfes ist, ob man mit dem Handy überhaupt in besagtem Ausland telefonieren kann. Und hier kann der Vertrag früh für sich Punkte machen. Denn die meisten deutschen Anbieter haben weltweit Partnerverträge abgeschlossen, die den Handykunden maximale Verfügbarkeit bescheren sollen. Vor wenigen Jahren hätte der Vertrag diese erste Runde gnadenlos für sich entschieden, weil Prepaid-Roaming in der Regel nur möglich war, wenn man umständlich von zuhause aus Zusatztarife buchte. Diese Hürde haben jetzt jedoch die meisten Anbieter fallen gelassen. Allerdings: So üppig wie beim Vertrag sind die Länderlisten nicht, oft werden nur Erstweltländer abgedeckt.

Gewinner Runde 1: Vertrag wegen der größeren Roaming-Abdeckung

Round 2: Die Kosten

Was innerhalb der EU Geschichte sein wird, hat außerhalb davon weiterhin Gültigkeit. Bei der Prepaidkarte geht der Trend vieler Anbieter hier dazu, spezielle Auslandspakete zu verkaufen. Also faktisch wie früher, nur diesmal mit Verbindungsgebühren statt dem Roaming an sich. Diese Lösung ist allerdings auch nötig, denn tendenziell schlagen die Anbieter bei Prepaid-Auslandsgebühren härter zu als bei den Verträgen.

Bei Verträgen existieren indes derzeit zwei Möglichkeiten:

  • Entweder ein „normales“ Roaming, bei dem einfach ein höherer Kurs gilt und der von den meisten Anbietern in bestimmte Ländergruppen eingeteilt und preislich abgestuft wird

  • Oder Reisepakete, die gebucht werden können und dann während eines bestimmten Zeitraums verbilligte Tarife ermöglichen

Beide erfordern Rechnen, welche Variante besser ist, hängt nicht nur vom Anbieter ab, sondern auch der Ländergruppe, die man bereisen möchte. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die Vertrags-Auslandstarife meist günstiger sind.

Gewinner Runde 2: Vertrag wegen meist geringerer Gebühren

Round 3: Der Komfort

Landen, den Flugmodus beenden und schon verbindet das Gerät sich mit dem örtlichen Netz. Diese dritte Runde ist auf diese Ebene des Komforts ein echtes Kopf-an-Kopf Duell, denn hier geben sich Prepaidkarte und Vertrag gegenseitig nicht viel.

Wo die Prepaidkarte allerdings einen derben Haken einstecken muss, ist beim Bezahlen: Mit dem Vertrag telefoniert, simst oder surft man einfach nach Lust und Laune. Während des Urlaubs ist dauerhafte Verbindung ohne Rücksicht auf die Kosten gesichert.

Anders beim Prepaid-Handy. Hier muss man die Extrameile gehen, um dies zu duplizieren und einige Optionen in Erwägung ziehen:

  • Vor der Reise Aufladeguthaben kaufen, mit in den Urlaub nehmen und dort nach Bedarf aufladen – dies wird aber nicht von jedem Betreiber angeboten.

  • Aufladung über das Internet per Paypal oder ähnlichen Bezahlformen

  • Eine Auslandsüberweisung in Auftrag geben. Das kann allerdings mehrere Tage dauern

  • Einzahlung eines Guthabens vor der Reise, das dann zu bestimmten Stichtagen abgebucht wird

Im äußersten Notfall bleibt natürlich auch noch die verzweifelte Variante, von einem Bekannten in Deutschland Guthaben kaufen lassen und diesen dann den Aufladevorgang durchführen zu lassen. Bloß ist keine dieser Möglichkeiten wirklich komfortabel deshalb ist der Sieger dieser Runde auch eindeutig.

Gewinner Runde 3: Vertrag, denn damit kann man ohne Umwege durchtelefonieren

Round 4: Surfen

Diese Runde startet erneut mit einem Schlagabtausch unter Gleichstarken. Denn sowohl Vertrag als auch Prepaid sind heute in Sachen Surfen gleichauf, was schlicht daran liegt, dass der Datenverbrauch für unterschiedliche Nutzungen sich ja bei beiden Varianten nicht unterscheidet:

  • Eine WhatsApp-Nachricht verbraucht etwa 10KB pro Textnachricht

  • Das Aktualisieren der Facebook-Seite benötigt ohne Bilder 200KB

  • Musikstreaming frisst pro Minute 1MB

  • YouTube je nach Qualität 2 bis 8MB pro Minute

  • Google-Suche 200KB

  • Abrufen der E-Mails 50KB

Sieht man von den Kosten ab, liegen also hier die Wurzeln für ein echtes Unentschieden. Wenn da nicht einmal mehr die Ländergruppen wären. Denn oftmals ist es so, dass man mit Vertragshandys echte Highspeed-Verbindungen wie LTE bekommt, mit Prepaidkarten jedoch nicht. Allerdings holt hier die Prepaidkarte zu einem nicht ganz sauberen, aber fairen Schlag aus: Wer sich nämlich im Ausland die Prepaidkarte eines dort einheimischen Anbieters ins Handy steckt, surft zu dessen günstigen Inlandskonditionen. Allerdings benötigt dieses Vorgehen Vorplanung sowohl bei Verträgen als auch Prepaid. Hat man nämlich in Deutschland ein Prepaidhandy erworben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es gesimlockt ist – das Handy erkennt also nur SIMs des Anbieters, bei dem es gekauft wurde. Und bei Vertragshandys müsste man dann die SIM-Karten wechseln, was unkomfortabel ist. Eine Möglichkeit wäre ein Dual-SIM-Handy. Allerdings ist der Smartphone*-Markt davon nicht gerade übersättigt.

Beide Verbindungsarten können aber indes darauf zurückgreifen, dass in Hotels, Restaurants, Flughäfen und praktisch überall, wo viele Menschen zusammenkommen, WLAN-Hotspots heutzutage praktisch Standard sind. Und das ist, Hands down, immer noch die günstigste Möglichkeit, im Ausland zu surfen.

Gewinner Runde 4: Prepaid. WLAN gibt es für beide Varianten aber durch den Einsatz einer einheimischen Prepaid-SIM kann man beim Surfen im Vergleich zum Vertrag massiv Geld sparen.

Round 5: Aus dem Ausland ins Ausland

In dieser Runde wird es ziemlich tricky. Denn was ist, wenn man sich selbst im Ausland befindet und entweder mit Einheimischen in Verbindung bleiben will, die dort leben oder aber mit anderen Leuten telefonieren möchte, die sich selbst nicht im Heimatland des eigenen Vertrages oder Prepaid-Anbieters befinden? Dann nämlich werden die Optionen ziemlich aufgefächert.

1) Will man einfach im eigenen Urlaubsland herumtelefonieren, müsste der eigene Anruf erst wieder zurück nach Deutschland geleitet und von dort wieder ins Urlaubsland gesendet werden. In Sachen Verbindungsgeschwindigkeit und Sprachqualität macht das zwar kein Problem, denn Telefon- wie Internetverbindungen werden über das feinmaschige Netz von Seekabeln abgewickelt. Jedoch wären die Kosten schlicht überflüssig hoch, denn man müsste, obwohl es sich ja um einen Inlandsanruf handelt, trotzdem den Auslandstarif zahlen.

Für solche Anrufe ist es daher das Beste, sich schlicht eine einheimische SIM oder gleich ein Prepaidhandy zu kaufen. In den meisten Ländern ist das so einfach wie eine Limonade zu kaufen, oft benötigt man nicht mal einen Identitätsnachweis.

2) Will man indes mit jemand telefonieren, der sich selbst fernab Deutschlands befindet, gelten die gleichen Auslandsregeln wie bei normalen Gesprächen mit Vertrag oder Prepaid. Die günstigste Option wäre es dann allerdings, sich einfach per Kurznachrichtenmitteilung zu verabreden und dann vom WLAN-Hotspot aus miteinander per Skype oder anderen VoIP-Systemen zu kommunizieren.

Gewinner Runde 5: Prepaid, denn ihre einfache Verfügbarkeit ermöglicht es, sich schnell im Ausland zu versorgen und ist damit der gleiche Gewinngrund wie in Runde 4.

Round 6: Verlust des Handys

heimlicher telefondiebstahl

Nach fünf Runden steht es jetzt 3:2 für den Vertrag. Doch der Kampf ist noch nicht entschieden. Denn im Urlaub besteht auch immer das Risiko, dass einem das Handy abhandenkommt. Etwa, weil man es verliert oder weil es gestohlen wird. Und da steckt der Vertrag einen bösen Haken ein. Denn ist ein Vertragshandy erst einmal weg, kann es richtig teuer werden. Denn wer das Handy findet oder geklaut hat, kann damit anstellen was er will, alle Verbindungskosten gehen zulasten des Vertragsunterzeichners.

Deshalb ist die erste Regel beim Verlust eines Vertragshandys auch, es sperren zu lassen. Nächste Hürde, denn jeder Anbieter hat unterschiedliche Auslands-Sperr-Notrufnummern eingerichtet.

Ein weiteres Hindernis: Man benötigt meist nicht nur die Handynummer, sondern auch die SIM-Kartennummer und die Kundennummer beim Anbieter. Wer diese nicht notiert hat, hat erst einmal viel Sucherei vor sich.

Vorteil Prepaid. Denn hier beschränkt sich der Ärger auf den Verlust des Geräts und des darauf gebuchten Guthabens. Ist das leer, kann der Verlust oder Diebstahl einem zumindest keine weiteren Kosten verursachen.

Gewinner Runde 6: Prepaid

Fazit

Ein Harter, aber fairer Kampf, der jedoch keinen echten Sieger hervorbrachte. Sowohl Prepaidkarten als auch Verträge haben ihre Vor- und Nachteile für den Auslandseinsatz. Welche stärker wiegen, muss jeder nach persönlicher Präferenz, Anbieter und vor allem dem Reiseland für sich entscheiden. Fakt ist nur, dass beide Varianten noch viel Nachholbedarf haben. Denn der Wegfall der EU-Roaminggebühren kann nur ein erster Schritt zu mehr Kundenkomfort sein. Am weit entfernten Ende dieses Weges könnten Verträge mit weiteren Ländern stehen, die künftige Nutzer nur noch verwundert auf das Phänomen „Auslandstelefongebühren“ blicken lassen.

Bildquellen:

1) fotolia.com © maria_savenko

2) fotolia.com © puhhha

3) fotolia.com © rh2010

4) fotolia.com © salamatik

5) fotolia.com © hedgehog94

6) fotolia.com © Picture-Factory



Wichtig: Hilfe zu inhaltlichen Themen kann am einfachsten in unserem Hilfe-Bereich bekommen werden. Dort kann man schnell und einfach bei Problemen und Schwierigkeiten nachfragen und entweder die Redaktion oder auch fachkundige Nutzer beantworten die Frage. Dazu können dann auch andere Nutzer mit dem gleichen Problem die Lösung dazu lesen und müssen nicht mehr selbst eine Frage stellen.