futuristic transparent phone

Smartphone 2020: Das Ende der Fahnenstange nicht in Sicht

Sie glauben, dass in Sachen Handy alles entwickelt wurde und dass künftig nur noch die Leistungen aufgeblasen werden? Leider falsch, denn da geht noch einiges

Der Mensch neigt dazu, Technik der Gegenwart immer aus einer etwas überhöhten Sicht zu betrachten. Dabei sollten wir es doch eigentlich besser wissen. Als 2007 das erste iPhone herauskam, waren seine Leistungswerte „over the top“. Dennoch glaubte selbst der renommierte Spiegel damals, dass „der hohe Preis des Gerätes aber der Konkurrenz von Nokia*, Motorola und Co. erstmal eine Verschnaufpause verschaffen“ werde. Und obwohl heute klar ist, wie falsch solche Ansichten waren, allein schon, weil etwa Motorola auf dem Handymarkt verschwunden ist, glauben auch heute noch viele, dass die 2017er Handys sich kaum toppen lassen. Wie falsch diese Denkweise ist, wird der folgende Artikel beweisen. Er zeigt nämlich, auf was wir uns in den kommenden Jahren gefasst machen dürfen.

1. Bend me, shape me…

Mit dem Siegeszug flacher Smartphones verschwand eine Bauform fast völlig aus den Läden, das Klapp-Handy. Doch schon bald könnte damit Schluss sein – nicht auf herkömmliche Weise via Scharnier, sondern futuristisch. Sowohl LG als auch Samsung* haben Geräte in der Mache, die sich fast beliebig zusammenrollen lassen. LG machte es erst vor kurzem mit einem gigantischen 77-Zoll-Display vor. Und bereits auf der 2016er IFA-Messe zeigten die Südkoreaner anhand eines Prototyps, dass das auch im Smartphone*-Format möglich ist.

Was das bringt? Kompaktheit, weniger Anfälligkeit Smartphone*-Displays beispielsweise. Die ersten Geräte werden, glaubt man den Gerüchten, schon Anfang 2018 verkaufsbereit sein. Eine kanadische Forschergruppe denkt indes schon weiter: Ihr Holoflex-Gerät lässt sich nicht nur biegen, sondern funktioniert auch dreidimensional. In der Praxis wirkt das dann beim Betrachten so, als würden die Elemente nicht auf, sondern vor dem Display* angezeigt werden. Raumlose Videobotschaften wie aus Star-Wars dürften demnach bald Realität sein. Und schaut man sich an, was Designer Chesky Wong sich ausdachte, könnte bald ein normal-dickes Smartphone* sich deshalb auch ruckzuck zum Tablet aus- und wieder zurückfalten lassen.

2. Verstärk das mal bitte, Scotty

Als im Sommer 2016 die Welt gefühlt stillstand, weil hunderttausende auf ihrem Handy via Pokémon

Transparent of graphene application.

Go die Real- mit der Spielewelt verknüpften, wurde Augmented Reality belächelt. Doch schon der Jahresverlauf 2017 zeigt, dass Mobilprogramme, die über das Smartphone und seine Kamera digitale Informationen in die Wirklichkeit einspielen, immer größer werden. Schon heute ermöglicht es etwa der schwedische Einrichtungsriese IKEA, via App Möbel aus seinem Katalog auf ein Echtzeitbild seines Wohnzimmers zu überlagern. Und das Programm PhotoMath hievt Schummeln auf eine neue Stufe: Es erkennt (auch sauber handschriftliche) Rechenaufgaben und löst diese.

Noch hindert zwar der immense Datenverbrauch ambitioniertere Anwendungen, spätestens aber wenn 5G-Verbindungen zum Standard werden, ist der Weg frei. Das Asus Zenfone AR macht vor, wohin die Reise geht. Denn seine Sensoren sind durch 3D-Optionen vollständig auf Augmented Reality eingestellt, können Tiefeninformationen erfassen und damit alles zu einem räumlichen Digitalbild machen.

3. Fast wie beim 3310

Young woman using a virtual reality headset

Gutes kommt wieder. Und etwas ältere Handy-User, die schon bei der ersten Welle Anfang der 2000er dabei waren, erinnern sich wehmütig an die „gute“ Akkulaufzeit des legendären Nokia* 3310, deren Dauer in Wochen gemessen wurde und heutzutage Kalauer hervorbringt:

Ich habe gestern im Keller mein altes 3310 gefunden – zwei ungelesene SMS, ein Anruf in Abwesenheit und noch zwei Balken auf der Ladeanzeige“.

Dass Nokia* dem 3310 eine zeitgenössische Neuauflage als Low-Budget-Handy spendierte, dürfte manchen bekannt sein. Doch auch die nostalgischen Akkulaufzeiten dürften bis 2020 zurückkehren. Eine australische Entwicklung, basierend auf Zink und Sauerstoff, soll wesentlich länger halten, als Lithium-Ionen-Akkus. Kein ganz neues Konzept, doch jetzt erstmals in wiederaufladbarer Form. Und selbst wenn diese Technik nicht den Durchbruch schafft: An neuen Akkus arbeiten derzeit rund um den Globus tausende der hellsten Köpfe. Damit ist ziemlich sicher, dass 2020 das (spätestens) allabendliche Aufladen passé sein wird.

4. Keine schlechten Fotos mehr – niemals

Smartphone-Kameras sind heute schon verdammt gut. Es sind weniger die Pixel-Orgien, welche die Entwicklung der Digitalkamera begleiteten, sondern die revolutionären Entwicklungen im Bereich der Chip-Technologie an sich. Denn man muss immer bedenken, normalerweise gehören für eine Kameralinse lange Brennweiten mit dazu. Die sind aber beim Smartphone unmöglich, denn das Gerät soll ja möglichst dünn sein.

Doch können auch modernste Kameras eines nicht: Den Schärfepunkt eines Fotos nachträglich verändern. Hat der Autofokus hier einen Fehler gemacht, ist nach wie vor nicht das „Once in a Million“-Photo der Lieblingsband scharf, sondern der Hintergrund. Das wird aller Voraussicht nach 2020 vorbei sein, denn dann sind Lichtfeldkameras integriert. Die gibt es zwar schon seit einigen Jahren, jetzt werden sie aber smartphone-tauglich.

Die Technik ist unglaublich komplex, daher nur eine extrem vereinfachte Erklärung: Lichtfeldkameras nehmen nicht nur einzelne Lichtpunkte zweidimensional auf, sondern registrieren auch deren Ausbreitungsrichtung im Raum. Aus diesen Informationen lässt sich nachträglich das Bild an einer beliebigen Stelle scharf bzw. unscharf stellen. 2020 hält man dann nur noch das Handy hoch und löst aus – alles andere kann man hinterher korrigieren.

5. Wieso denn immer nur eckig?

Eines eint derzeit sämtliche Smartphones, ihre grob-rechteckige Form. Ob das 2020 nicht immer noch so sein wird, lässt sich zwar nicht sagen. Was jedoch möglich sein wird, ist Konkurrenz. Das zeigt heute schon das Alo. Ein Gerät, das wirkt, als stamme es direkt aus der Requisitenkiste eines Science-Fiction-Films.

Nun muss man dieses Smartphone mit Vorsicht genießen, denn es entstammt der Feder zweier Designer und nicht knallharter Handy-Experten. Aber die beiden Franzosen haben sich durchaus für die Features am Machbaren orientiert. Das Display* ist wesentlich kleiner und gebogen (Siehe LG), dafür sollten Videos, Spiele und Surfen per Hologramm möglich sein (siehe Holoflex). Ein weiteres Merkmal ist die Tatsache, dass die Steuerung weitestgehend per Stimme erfolgen soll. Und schaut man sich an, mit welchen Schritten Stimmerkennung derzeit Fahrt aufnimmt, sieht das ebenfalls nicht mehr wie zu futuristische Zukunftsmusik aus.

Picture of woman jogging on the beach

6. Was definitiv nicht kommen wird

Die bisherigen Punkte werden 2020 mit Sicherheit normal sein – zu mehr oder weniger großen Teilen. Allerdings wird manches davon auch dann noch Zukunftsmusik bleiben. Gerade die Deutschen wünschen sich zwar so manches „abgefahrene“ Feature, was 2020 aber definitiv noch nicht möglich sein wird:

  • Akkuaufladung über die Luft. Auch wenn seit Nikola Tesla daran geforscht wird, Strom über weite Strecken ohne echte physische Verbindung zu übertragen, steckt die Technik dennoch meilenweit von der Serienreife entfernt fest.

  • Handy als Drohne. Nie wieder Platzprobleme in der Hosentasche. Dass neben einem herfliegende Smartphone, das Gespräche aufzeichnet, wird noch lange ein Gag aus dem Film „das fünfte Element“ bleiben.

  • Die Internet-Brille ist zwar seit Google Glass Realität, dennoch verbrauchen Komponenten nach wie vor zu viel Platz, um sich wirklich unscheinbar unterbringen zu lassen. Vor allem aber benötigt man immer noch die Hände zur Steuerung.

  • Smartphone-Implantate, die einen Teil der Handyfunktionen auf einen unter der Haut implantierten Chip auslagern, sind zwar technisch möglich. Eine Serienreife ist jedoch auch mit Hinblick auf Gesetze zumindest in Deutschland nicht vor Mitte der 2020er zu erwarten.

Was jedoch 2020 so langsam zum Auslaufmodell werden dürfte, ist der klassische Desktop-PC. Denn schon heute nähern sich die Rechenleistungen von Smartphones spielend den stationären Geräten an. Im Gegensatz zu denen ist die mobile Entwicklung jedoch ein viel, viel größeres Betätigungsfeld.

Bildquellen:

1) fotolia.com © rashadashurov (Aufmacher aus 1+2)

2) fotolia.com © bonninturina

3) fotolia.com © Melpomene

4) fotolia.com © Kalim



Wichtig: Hilfe zu inhaltlichen Themen kann am einfachsten in unserem Hilfe-Bereich bekommen werden. Dort kann man schnell und einfach bei Problemen und Schwierigkeiten nachfragen und entweder die Redaktion oder auch fachkundige Nutzer beantworten die Frage. Dazu können dann auch andere Nutzer mit dem gleichen Problem die Lösung dazu lesen und müssen nicht mehr selbst eine Frage stellen.