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Weniger Datenspuren im Netz hinterlassen – das empfehlen die Profis

von Bastian Ebert

Weniger Datenspuren im Netz hinterlassen – das empfehlen die Profis – In den letzten Wochen gab es für Netzaktivisten und Bürgerrechtler einige bedenkliche Entwicklungen. Auf gesetzlicher Ebene wurden die Polizeigesetze verschärft oder zumindest dies angekündigt und auch in der Praxis zeigte sich der Staat sehr übergriffig. So gab es an verschiedenen Stellen in Deutschland Hausdurchsuchungen beim Verein “Zwiebelfreunde”. Hintergrund waren Spendensammlungen des Vereins für den Email Anbieter riseup aus den USA. Mit so einer Emailadresse hatte ein Unbekannter eine Webseiten mit Gewaltaufrufen gegen die AfD online gestellt und daher wurden Rechner und Server bei den Zwiebelfreunden beschlagnahmt – in der vagen Hoffnung dort Hinweise auf den unbekannten Webseitenbetreiber zu finden. Auch andere Vereine von Netzaktivisten gerieten in den Fokus der Ermittlungsbehörden und dabei wurden teilweise auch massenhaft Daten Unbeteiligter beschlagnahmt (und wahrscheinlich ausgewertet).

Konkret wird es also auch in Deutschland für die Zukunft noch wichtiger werden, zur digitalen Selbstverteidigung zu greifen und möglichst weitgehend Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten. Der beste Weg ist dabei immer, erst gar keine Datenspuren zu hinterlassen. Das ist aber beim mobilen Surfen aber auch beim Surfen am Rechner nicht immer möglich, so dass man zu anderen Möglichkeiten greifen muss um zumindest weitgehend anonym online sein zu können.

In diesem Artikel wollen wir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich digital schützen kann und welche Möglichkeiten es gibt, die eigenen Daten und Verbindungen zu anonymisieren.

Verschlüsselung

Mittlerweile haben viele Webseite auf https umgestellt und bieten damit auch verschlüsselte Verbindungen an. Damit werden alle Daten, die man zu einer bestimmten Webseite sendet, verschlüsselt. Man sieht zwar noch, an welche Webseite die Daten übertragen werden, aber nicht mehr, was gesendet wird. Um immer https zu nutzen (sowie verfügbar) empfiehlt sich das https everywhere Plugin.

Verschlüsselung ist aber nicht nur für Webseite wichtig, sondern vor allem auch für die Kommunikation und damit für Mail. Mit einem eigenen Zertifikat kann man sehr einfach sicherstellen, dass die Inhalte von Mail nicht einfach mitgelesen werden können. Gängige Emailprogramme wie beispielsweise Thunderbird haben mittlerweile Schnittstellen, die Verschlüsselung einfach machen. Eine Anleitung* dazu (für Windows Systeme) gibt es hier.

VPN nutzen

Auch mit verschlüsselten Verbindungen sieht man immer noch, welche Ziele im Netz aufgerufen wurden. Das kann man aber ändern, in dem man VPN Systeme nutzt. Dann wird zuerst eine Verbindung mit einem VPN Server hergestellt und nur dieser Server verbindet sich mit dem Ziel. Außenstehende sehen dann nur den aufgerufenen VPN Server, welches Ziel danach gewählt wurde, ist nicht mehr erkennbar.

Bei Netzpolitik schreibt man dazu:

VPN steht für Virtual Private Network. Mit einem VPN-Client lässt sich nicht nur weitgehend anonym surfen, sondern auch bei anderen Online-Aktivitäten die eigene Identität verschleiern. Das ist vor allem wichtig, wenn man in offenen WLANs unterwegs ist, wo der Betreiber den Datenverkehr mitüberwachen kann. VPN-Software leitet sämtlichen Verkehr zunächst vom eigenen Gerät verschlüsselt zum Server des Anbieters und von dort ins Netz. Auch kann man durch VPN-Server vorgeben, aus einem bestimmten Land zu sein, und dadurch Geoblocking umgehen.

Hier im Blog hatten wir dazu schon einmal den Avira Phantom VPN getestet, der allerdings für längeres Surfen kostenpflichtig ist. Weitere VPN Anbieter gibt es auf dem Portal Verbraucher.eu. Dort finden sich knapp 10 VPN Anbieter mit Preisen und Vorteilen bzw. einer Bewertung.

Video: VPN ganz einfach erklärt

Der Tor Browser

Wer gleich ein ganzes Paket an Sicherheitstools nutzen will, sollte sich den Tor-Browser anschauen. Dieser basiert auf dem Mozilla Firefox, wurde aber mit einer ganzen Reihe von zusätzlichen Funktionen ausgestattet. Kernfunktion ist natürlich die Nutzung des Tor-Netzwerkes. Dabei werden die Daten nicht nur über einen VPN geleitet, sondern es werden mehrere Router genutzt. Dabei kennt jeder Router nur den jeweils nächsten und vorigen Knoten im Netzwerk, so dass auch Zugriff auf einen Knoten keine Infos über die Verbindung ermöglicht. Auf diese Weise wird es noch schwieriger, Verbindungen nachzuverfolgen (auch wenn es staatliche Stellen mittlerweile sehr intensiv versuchen).

Unter Android* kann man den Torbrowser mittlerweile auch nutzen, die entsprechenden Apps finden sich unter Orbot und Orfox.

Den eigenen Browserabdruck (Fingerprint) verbergen

Die Kombination aus Browser, Plugins und den Einstellungen des eigenen Systems ist so einzigartig, dass man damit in fast allen Fällen einen Nutzer sehr sicher identifizieren kann. Taucht eine gleiche Konfiguration an anderer Stelle auf, ist es in mehr als 99% der Fälle der gleiche Nutzer.

Mittlerweile gibt es aber auch in diesem Bereich Plugins, mit denen man die übermittelten Infos begrenzen kann und damit die Erkennbarkeit erschwert. Ein solches Plugin für den Mozilla Firefox ist beispielsweise FireGloves.

Insgesamt gibt es mittlerweile sehr viele technische Möglichkeiten, um Verbraucher im Internet zu tracken und die Anzahl der Daten, die man hinterlässt (und die auch unter Umständen in falsche Hände gelangen können) ist damit sehr hoch. Erfreulicherweise existieren aber inzwischen auch viele Möglichkeiten, sich zu schützen und die eigenen Verbindungen zu anonymisieren. Allerdings erfordert das alles etwas Einsatz und man muss selbst aktiv werden um die eigene Technik zu schützen.

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