Oettinger: Auslands-Roaming in der EU könnte 2017 wegfallen

Oettinger: Auslands-Roaming könnte 2017 wegfallen – Sind es jetzt gute oder schlechte Nachrichten, die EU-Kommissar Günter Oettinger verkündet? Eigentlich sollten die Roaming-Gebühren in der EU bereits Ende 2015 weg fallen. Auf Druck der großen Mobilfunk-Unternehmen wurde diese Regelung aber verschoben und entschärft. Der aktuelle Fahrplan für das Ende des Auslandsroamings in der EU klingt daher schon deutlich weniger ambitioniert:

Ab dem zweiten Quartal 2017 werden die Roaming-Gebühren in der EU wahrscheinlich wegfallen„, sagte Oettinger nach Angaben der „Rheinische Post“ berichtet. „Darauf werden sich die EU-Kommission, die Regierungen der 28 Mitgliedsländer und das europäische Parlament wahrscheinlich schon sehr bald einigen„.

Das Statement enthält dabei gleich zwei mal das Wort „wahrscheinlich“. Sehr sicher scheint diese Ankündigung damit noch nicht zu sein und auch der Umsetzungshorizont bis 2017 macht klar, dass es in diesem Zeitraum noch viele Möglichkeiten für die Lobbyisten der europäischen Mobilfunk-Unternehmen geben wird, die Umsetzung zu verhindern oder zumindest zu verzögern.

Aus diesem Grund scheint das Statement von Oettinger eher eine schlechte Nachricht zu sein. Im Jahr 2015 wird es definitiv noch Roaming Gebühren geben und auch im Jahr 2016 noch. Wie es danach aussieht ist allerdings weitestgehend offen.

Auslands-Roaming: Gebühren sollen auch weiterhin bleiben

Die Roaming-Gebühren für Gespräche, SMS und Internet-Verbindungen innerhalb der EU wurden in den letzten Jahren immer wieder abgesenkt und sollten Ende 2015 ganz verschwinden. Dann hätte man in allen EU-Staaten zu den gleichen Preisen Telefonieren können wie innerhalb von Deutschland bzw. dem Heimatland. Für Urlauber und Geschäftsreisende wäre das ab 2016 eine deutliche Erleichterung gewesen, denn so hätten sie auch Flatrates und Tarife aus Deutschland auf EU Ebene nutzen können.

Mittlerweile haben sich aber die EU-Staaten eingeschaltet und fordern (möglicherweise auf Lobbydruck hin) das es für Gespräche in anderen EU Staaten auch weiterhin Zusatzkosten geben soll.

Allerdings soll es ein Freikontingent ohne Roaming geben:

  • 50 Minuten pro Jahr
  • 50 SMS pro Jahr
  • 100MB Internet pro Jahr

Diese Leistungen würden zu den normalen Preisen abgerechnet, Roaming-Gebühren würden erst anfallen, wenn die entsprechenden Minuten bzw. SMS aufgebraucht sind. Derzeit verhandelt EU-Rat (das Gremium der Staaten) und EU-Kommission bzw. Parlament in diesem Punkt.

Die Verbraucherschützer sehen diese Verhandlungen kritisch:

„Roaming-Gebühren sind überflüssig“, so Klaus Müller. „Die Preise für die Endkunden müssen sich stärker an den realen Kosten der Unternehmen orientieren. Derzeit verdienen Unternehmen gutes Geld mit den Roaming-Gebühren. Ungereimtheiten von Preisstrukturen, die sich an Ländergrenzen orientieren, gehören ebenso abgeschafft: Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein Gespräch von Deutschland ins Ausland teurer sein soll als ein Telefonat in die umgekehrte Richtung.“

Tatsächlich war es hier wohl der Druck der Telekommunikationsanbieter, der dafür gesorgt hat, dass die Regierungen das Auslands-Roaming weiterhin kostenpflichtig halten wollen. Den Netzbetreibern würden sonst Einnahmen verloren gehen und das möchten die Unternehmen natürlich verhindern.

Die europäischen Roaming-Gebühren (seit 1.7.2014):

  • Eigene Anrufe pro Minute: 0,19 Euro
  • Angenommene Anrufe pro Minute: 0,05 Euro
  • Datendienste pro MB: 0,20 Euro
  • SMS (ausgehend), Empfang ist kostenlos: 0,06 Euro

Telekommunikation im Ausland ist damit immer noch teurer als in Deutschland und Flatrates und Freivolumen in deutschen Verträgen lassen sich nicht so einfach für EU Gespräche einsetzen. Allerdings sind Verbindungen in der EU immer noch deutlich billiger als viele andere Auslandsverbindungen.  Das nationale Roaming zwischen O2 und Eplus ist davon übrigens nicht betroffen.